Category

Frei

Schrödingers Meißel

By | Frei | No Comments

Installation, 2016
Stemmhammer, Podest
 

Ein BOSCH Stemmhammer, der in der Oberfläche eines weißen Podestes steckt. Spuren und Segmente zeugen von einem gewaltsamen Akt des Eindringens. In scheinbar beliebigen Abständen setzt das Werkzeug sein Hämmern innerhalb des Sockels fort. Im unteren Bereich ist eine Steckdose angebracht, in die der Stemmhammer eingesteckt ist.
 
Macht man das Podest allgemein hin als Präsentationsform von Kunst geltend, so kommt SCHRÖDINGERS MEIßEL diesem Anspruch nur folgewidrig nach. Mit martialischer Beständigkeit bohrt sich der Stemmhammer in eben das Objekt, dass ihn zur Kunst erhebt. Mehr noch, der Akt als solcher gilt hier als das künstlerische Werk, dass sich ununterbrochen selbst zerstört.  
Hier referiert der Titel an Versuche von Erwin Schrödinger, der mit seinem berühmten Gedankenexperiment Mechanismen der Quantenphysik versucht hat in die Geltungsbereich klassischer physikalischer Gesetze zu übertragen. Der Stemmhammer in Superposition.

 

Ghostriders

By | Frei | No Comments

Installation, 2017
Zwei entkleidete Mopeds
 

Zwei Mopeds deren Karosserien und einige Einzelteile entfernt worden sind stehen sich gegenüber. Ein in die Mopeds eingebauter Mikroprozessor kontrolliert die Zündungen und Hupen der Fahrzeuge, wodurch sie unregelmäßigen Abständen und für eine scheinbar beliebige Dauer, Geräusche von sich geben.  
Auf der Geräuschebene erzeugt sich eine Unterhaltung zwischen beiden Mopeds. Die Hupe, eigentümlicher Weise ein Warnsignal, wird hier als Sprache etabliert. Das Geräusch der Zündung suggeriert eine Bewegung die sich im visuellen Ausdruck der Objekte widerspiegelt. Dennoch bleiben beide Mopeds in ihrer skulpturalen Anordnung bestehen. Einige auf dem Boden liegende Schrauben, die durch den Einsturz des Vorderrads eines der beiden Mopeds abgefallen scheinen, suggeriert den langsamen Zerfall der beiden Fahrzeuge. Eine langsame und unweigerliche Bewegung, während einer hitzigen und lauten Diskussion.

 

Selfie

By | Frei | No Comments

Installation, 2016
Deckenventilatoren, Staffeleien, Zeichenpapier, Aktmodell
 

Raum-Installation in einer Zeichen-Werkstatt der Vietnam University of Fine Arts in Hanoi, eine Neu-Inszenierung des dort viel praktizierten Zeichnens nach Akt.

 

Vier der insgesamt neun Deckenventilatoren sind mit Hilfe von Metallstangen auf eine Höhe von 1,50m – 1,80m Bodenabstand versetzt. Vor jeder dieser modifizierten Maschinen steht eine große Staffelei, die mit einem Blatt Zeichenpapier versehen ist. Die Rotorblätter berühren das Papier leicht, zeichnen dabei waagerechte Linien oder schlagen gelegentlich darauf ein – Vier Ventilatoren zeichnen einen Akt.

 

Die sture Bewegungskompetenz erlaubt den Maschinen lediglich Striche auf das Papier zu bringen. Der mechanischen Bewegung steht die lebhafte Geräuschkulisse gegenüber, in der sich Rhythmen begegnen und verlieren.
 
Dem Raum und dessen Elementen wird das Potential zugeschrieben eine Abbildung des Künstlers erstellen zu können. Die Installation als solche und der Versuch machen sich wiederum bereits als Abbildung des Künstlers geltend.

 

Verschleißerscheinung

By | Frei | No Comments

verschleiß-01

Raumspezifische Installation, 2016
Stemmhammer
 

Ein Stemmhammer lehnt an einer Wand der Galerie. Dessen Meißel steckt in einem Riss im Boden, der sich von der diesseitigen zur gegenüberliegenden Wand zieht. In unregelmäßigen Abständen und mit scheinbar beliebiger Intensität hämmert das Werkzeug in den Boden.

 

verschleiß-03
 

Der Riss, mit seinen umliegenden unregelmäßigen Erhebungen, erinnert in seinem Anblick an eine offene Wunde, die sich durch den Beton zieht.

Aufgrund seiner Masse und seines undurchdringlichen Verhaltens macht sich der Stemmhammer gegenüber dem Riss autoritär. Er suggeriert die Möglichkeit ihn zu vergrößern, den Boden zu Spalten und einen Durchschlag zu erzeugen.
Dieser Vorschlag vermittelt eine spekulative Raumwahrnehmung, zwischen dem augenscheinlich Vorhandenem und physikalisch Möglichem.

 

verschleiß-02

verschleiß-04
 

Die Berechnungen von Nora Olearius, die auf der nebenliegenden Eckwand zu lesen sind, ergeben die Lebensdauer des Meißels bei durchgängiger Benutzung (23,28 Jahre).

 

rechnung-gesamt_lq

 


 

Perzerbst

By | Frei | No Comments

Bewegungs-Performance mit Live-Kamera
2016
 

Hinter einer Wand wird ein Duett zwischen Tänzerin und Kameramann dargeboten. Das Live-Bild der Kamera wird auf einem Display vor der Wand gezeigt.

 

Das Publikum erhält zum einen die Möglichkeit den Tanz über Distanz zu erleben, die sich durch die Live-Übertragung ergibt. Gelegentlich zeigt sich die Tänzerin aber vor der Wand und lässt eine unmittelbare Wahrnehmung ihrer zu.

Die Summe der Bewegungen beider Akteure ergeben das Sichtbare der Darbietung in der Live-Übertragung. Auch in ihrem Tanze lassen sich beide Akteure zum einen auf nahe, erotische Berührungsmomente ein, in denen die Kamera beispielsweise fast mikroskopische Fahrten über die Haut der Tänzerin zeigt, dann wieder gehen beide selbst auf Distanz und geraten in einen Kampf.

 

Der Name Perzerbst, leitet sich von dem Wort Perzept ab.

 
perzerbst_4
 
perzerbst_6
 
perzerbst_8

 


 

Mimikry

By | Frei | No Comments

mimikry-01_klein

Raumspezifische Installation, 2016
1 Jalousie, Videoprojektion
 

Ein Zufallsalgorithmus manipuliert die Bewegung einer elektrischen Jalousie. Weitesgehend beliebig werden die Fahrtrichtung, die Dauer der Fahrt und die Intervalle zwischen den Fahrten gesteuert.

Auf der gegenüber liegenden weißen Wand wird ein Video projiziert, dass diese Jalousie frontal gefilmt zeigt. Der Rollo in diesem 15-minütigen Loop begegnet seinem realen Selbst, dass immerfort neue Bewegungsformen generiert und somit einen endlosen Dialog entstehen lässt.

 

mimikry-02_klein

 

„Mimikry“ gewann den 1. Platz des Hochschulpreises der Freien Kunst 2016. Zur Jury gehörten Janneke de Vries (GAK Bremen), Eva Fischer-Hausdorf (Kunsthalle Bremen) und Dr. Annett Reckert (Städtische Galerie Delmenhorst, Haus Coburg). Die Laudatio der Jury lautete wie folgt:

 

„Besonders hat die Jury seine Arbeit „Mimikry“ überzeugt, in der dem Betrachter eine überraschende Neuinszenierung des Raumes geboten wird. Der Blick wird von der klassischen Betrachtungsebene nach oben gelenkt, dort scheint sich dem Titel der Arbeit entsprechend das Fenster im Film dem realen Fenster anzupassen. Das Auf und Ab des Rollos findet eine Antwort im Film. Zusammen mit der Tonebene erzielt Zerbst eine überzeugende, irritierende Wirkung. In der Verdopplung des Realen reflektiert er das Verhältnis von Innen und Außen, sowie Ideen von Wirklichkeit, Abbildung und Täuschung. Kunst wird zur Sehfalle.“

 

Laufen lassen

By | Frei | No Comments

laufen-lassen-03_klein

2-Kanal-Videoinstallation, 2016
Loop, 2 Min 58 Sek
 

Zwei mit dem Rücken aneinander stehende Monitore auf Podesten, die abwechselnd Ausschnitte einer fortlaufenden Videosequenz zeigen.

 

Darin zu sehen ist eine Frau in einer geschlossenen Brücke zwischen zwei Industriegebäuden. Sie bewegt sich zwischen den Fensterfronten und versucht einerseits sich nach Außen bemerkbar zu machen, andererseits die Fenster zu öffnen.
Emphatisch folgt die Handkamera ihren Bemühungen – Es vermittelt sich eine psychologische Betrachtungsweise. Im Vordergrund steht das Nachvollziehen ihres Tuns und die Auseinandersetzung mit diesem.

 
laufen-lassen-04_klein
 

Dem Titel entsprechend zwingt die Präsentationsform die Betrachter dazu sich von einem Monitor zum anderen zu bewegen.

 

Gefilmt wurde „Laufen lassen“ mit der Schauspielerin Meret Mundwiler (Theater Bremen) in den alten Tabakswerken Brinkmann (Bremen-Woltmershausen).

 

 

Irrlichter einer Begegnung

By | Frei | No Comments
irrlichter_002
Experimentalfilm, 2015
12 Min 36 Sek

 

Eine Improvisation zwischen einer Frau und der Kamera, entstanden bei der Erforschung eines leerstehenden Gebäudes. Die Montage greift in die Kausalität der Handlung ein und definiert auf diese Weise das schwebehafte Spiel zwischen beiden Akteuren.

 

irrlichter_003

 

Der entstandene Film stellt den sozialen körperlichen Dialog zwischen den beiden Figuren aus. Auf der Schwelle zwischen Voyeurismus und Dokumentation nähert sich die Kamera, weder den einen noch den anderen Pol berührend, der im Film plötzlich aufgetauchten Frau.

 
Schließlich widersetzt sich die Frau der Kamera, indem sie ihr das Unentbehrlichste nimmt, das Licht, und macht damit deutlich: Die Kamera ist dem Motiv untertan! Die Frau nimmt der Kamera die Möglichkeit abzubilden und löscht sie damit aus – Sie selbst jedoch verschwindet dadurch ebenso.
 
Der gesamte Film kann hier betrachtet werden;
 

 

Chairway to Heaven

By | Frei | No Comments

chairway_5-small

Installation, 2015
7 Holzstühle, Mapping
 

Sieben Stühle sind nebeneinander aufgestellt und bilden als Sequenz eine halbe Umdrehung um die eigene Achse. Der Raum ist vollständig abgedunkelt.

Ein Beamer wirft exakt beschnittenes Licht auf jeden Stuhl. Durch die sequenzartige Beleuchtung erzeugt sich die Illusion der Bewegung eines Stuhls, der sich durch den Raum bewegt, sich dreht, gelegentlich stehen bleibt und nach einer kurzen Rast seine Bewegung fortsetzt.

Die Geschwindigkeit der Bewegung, die Dauer der Pause und die Richtung, die der Stuhl nach der Pause einschlägt sind, werden mithilfe von Zufallsalgorithmen generiert.

 

Der Stuhl befindet sich in einem ambivalenten Zustand zwischen Halt und Bewegung. Obschon diese Bewegung ein Trug ist, da sie lediglich auf Vervielfältigung beruht, so kann sie doch wahrgenommen werden. Wie wirklich wird Bewegung angesichts dieser Illusion?

 

Wisdom Tease

By | Frei | No Comments

wisdom_03

Performance, 2014
 

Wisdom Tease ist die einzige Performance mit echten Weisheitszähnen, die jemals in der Galerie ArtDocks Bremen gezeigt worden ist.

 

Eingehüllt in eine Wolldecke sitzt Zerbst als Performer auf einem kleinen analogen Röhrenmonitor, der in Richtung des Publikums platziert ist und auf dem eine kurze Video-Sequenz läuft, die Szenen einer Operation im Mundinnenraum zeigt. Darunter mischt sich immer wieder eine Uhr, die bei 15 Minuten beginnend, die Sekunden abzählt.

 

wisdom_01

 

Sobald die Videosequenz beendet ist, beginnt Zerbst drei frisch gezogene Weisheitszähne in ein befülltes Sektglas zu spucken. Dieses Glas stellt er anstelle seiner auf seine Stelle. Gelegentlich bläst er zudem in ein Blas-Spielzeug, dessen Geräusch an ein zahnärztliches Instrument erinnert.

Beendet wurde diese Darbietung nachdem die Uhr auf dem Monitor abgelaufen war, also exakt nach 15 Minuten. Ihm gelang es zwei Weisheitszähne in das Sektglas zu spucken.