Lichtinstallation, die für den „großen Lichtsaal“ genannten Ausstellungsraum im Kunstverein Hannover konzipiert wurde. Dem Raum eigen ist eine Decke, an der sich über nahezu der gesamten Raumfläche ein Metallraster mit weißen, opaken Plexiglasscheiben befindet und den Raum in eine diffuse Lichtstimmung taucht.

»Ékleipsis« ist eine Intervention an der über dieser Konstruktion installierten Raumbeleuchtung. Sequenzartig wird diese aus- und eingeschaltet und formt auf diese Weise einen Schatten, der sich durch den Raum bewegt. Ergänzend sind Lautsprecher im Ausstellungsraum selbst, sowie im Überraum installiert, mit deren Hilfe die Bewegung des Schattens akustisch erweitert wird.

Ein Computer generiert per Zufallsalgorithmus Eigenarten des Schattens (wie Größe, Geschwindigkeit, usw…) und mischt das Geräusch dem entsprechend ab.

»Ékleipsis« nimmt sich das unserer Wahrnehmung von Raum Essentiellste zum Thema: Licht setzt uns in ein Verhältnis zur Umgebung und ist sogleich im Stande dieses Verhältnis zu brechen, indem es ausbleibt. Insofern ist dem Licht eine gefährliche Doppelrolle eigen: Zum einen die des Hervorbringens, zum anderen die der Auslöschung. Diesem Phänomen entsprechend bricht »Ékleipsis« Verhältnisse zwischen dem Präsentationsraum, den sich darin befindenden Kunstwerken und den Besucher*Innen auf.

Der Titel ist ein Wort, dass einem Wetterphänomen den Namen schenkte und im ursprünglichen Sinne „Ausbleiben“ oder „Verschwinden“ bedeutet.

VIDEO

Sonnenfinsternis im White Cube

[…]

Für die 88. Herbstausstellung des Kunstvereins Hannover hat Zerbst eine Licht-/Soundinstallation im zentralen Saal konzipiert, die den Raum als dynamische Skulptur begreift. In einem festgelegten zeitlichen Turnus findet eine partielle Verdunkelung des Oberlichts statt, die gleich einer Choreografie sich von einem Raumende zum anderen erstreckt/bewegt und dabei Parallelen an ein natürliches Phänomen erweckt – gleich einem abrupten Wetterumschwung und der dazugehörigen veränderten Lichtverhältnisse. Auf eindrückliche und zugleich behutsame Weise taucht Zerbsts Arbeit den Raum in eine unwirkliche Stimmung und erinnert damit an eine Sonnenfinsternis, worauf der griechische Titel „Ékleipsis“ unmittelbar hinweist. Das vermeintliche Auftreten des Wetterphänomens wird begleitet von einem tiefen sonoren Klang, der mit dem artifiziellen Ursprung der veränderten Lichtverhältnisse korrespondiert. Durch dieses Zusammenspiel wird den Betrachtenden bewusst, dass sie qua ihrer Präsenz und Wahrnehmung des Raumes zu ProtagonistInnen der Installation werden.

Sergey Harutoonian