Die Besitzer des privat betriebenen Kunstraums workroomfour Claire Driscoll und Dorian Gibb luden mich ein eine Einzelausstellung mit meinen Arbeiten im Januar 2017 zu präsentieren.

Interessiert an der Position die ein Kulturfremder in Vietnam besitzt und die unweigerlich darin resultiert die Umgebung zu exotisieren und von dieser ebenso exotisiert zu werden, nahm ich die Einladung von Claire Driscoll und Dorian Gibb gerne an, dies in einer Einzelausstellung zu verarbeiten — Besonders zu schätzen wusste ich ihren Mut, da sie selbst Teil einer Expat-Gemeinde sind, was also viel angriffspotential in meiner Auseinandersetzung bot: Unweigerlich musste also gleichzeitig der Kunstraum in einen kritischen Diskurs geraten: Ich proklamierte eine integrative Gemeinschaft zwischen Ausländern wie uns und Vietnamesen kann nicht exisitieren, wenn sie auf Grundlage von Interesse entsteht – Missverständnis und Bindung zugleich.

Inspiriert vom Motiv des aggressiven und chaotischen Verkehrs von Hanoi, der von westlichen Künstlern sehr gerne als Motiv verwendet wird, zeigte ich ein distopisches Bild des Zerfalls. „GHOSTRIDERS“ war eine installation mit zwei teilweise zerlegten Mopeds, die sich gegenüberstehen. Beliebig ertönen ihre Hupen unabhängig von einander. In zufälligen Abständen lösen ihre Zündungen aus, ohne das jemals einer der Motoren angelassen wird — Es bleibt ein scheiternder Annäherungsversuch.

Eine von drei weiteren Arbeiten war der Linearfilm „SPEECH BUBBLE“, in dem ein professioneller Moped-Spediteur einen großen roten Gummiball durch die Straßen Hanois zum Kunstraum des workroomfours transportiert. Der Film reißt Themen der Ausbeutung, die überlegene oder unterlegene Beziehung zwischen westlichem Künstler und lokalem Arbeiter. Es drängt den Betrachter dazu sich dem Sujet gegenüber zu positionieren. Interessant war zu beobachten, dass die Vietnamesischen Menschen den Film gelassen genommen, die Westlichen Menschen sich aber schwer darüber empört haben. Hat die Diversität der Wahrnehmungen eine grundsätzliche Angst von Westlichen exponiert, selbst als Ausbeuter zu gelten?

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